Die Normalisierung des Krieges
Der Abraumberg der Kalisalzgewinnung in Sachsen-Anhalt wirkt nur aus der Ferne wie ein natürlicher Hügel. Beim genauerem Hinsehen ist erkennbar, dass er menschengemacht ist – ein Nebenprodukt industrieller Rohstoffgewinnung, aufgeschichtet aus dem, was als Abfall übrig bleibt. Die Halte ist instabil und verschlingt ihr Gleisbett für die Aufschichtung des Abraums nach und nach.
Diese Landschaft erzählt eine Geschichte über unseren Umgang mit der Welt. Sie zeigt, wie selbstverständlich wir Natur umformen, Ressourcen entnehmen und die Folgen unseres Handelns in riesigen Halden ablagern. Was einst ein Eingriff war, erscheint mit der Zeit normal. Der künstliche Berg wird Teil der Landschaft.
Vielleicht funktioniert unsere Gesellschaft auf ähnliche Weise.
So wie wir mit unserer Umwelt umgehen, so gehen wir oft auch mit unseren sozialen Beziehungen und globalen Strukturen um: Wir verbrauchen Ressourcen, maximieren kurzfristigen Nutzen und lagern die Kosten an andere Orte und andere Menschen aus.
Dabei liegen die Werkzeuge für eine bessere Zukunft längst auf dem Tisch. Klimaschutz, nachhaltiges Wirtschaften und kooperative Handelsbeziehungen müssen keine Utopien sein. Mit den heutigen digitalen Technologien verfügen wir über Mittel, die Zusammenarbeit, Transparenz und Teilhabe global zu stärken. Technischer Fortschritt könnte den sozialen Fortschritt unterstützen – statt ihn zu verdrängen.
Nachhaltige Energieformen besitzen das Potenzial, unsere Welt demokratischer zu machen. Dezentrale Energieproduktion kann Abhängigkeiten von wenigen Machtzentren verringern und neue Formen wirtschaftlicher Teilhabe ermöglichen.
Doch statt diese Möglichkeiten konsequent zu nutzen, erleben wir weiterhin Kriege um die Energieträger des vergangenen Jahrhunderts. Konflikte um Öl, Gas und geopolitische Einflusszonen wirken wie ein Echo einer alten Ordnung – ein letzter Versuch, ein System zu bewahren, das sich seit langem im freien Fall befindet.
Auch das erinnert an den Abraumberg: ein riesiger Aufschüttungskörper aus den Überresten einer Industrie, deren Kosten lange unsichtbar bleiben sollten.
Die Frage ist, welche Landschaft wir hinterlassen wollen.
Besitz und Wachstum dürfen nicht länger über allem stehen. Chancengleichheit und der Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen sollten zu den zentralen Maßstäben unseres Handelns werden.
Lasst uns für Werte einstehen: für Gerechtigkeit, Toleranz, Menschenrechte, Demokratie und das gleiche Recht für alle.
Und lasst uns auch die positiven Entwicklungen wahrnehmen. Dafür müssen wir die Mechanismen unserer digitalen Öffentlichkeit hinterfragen. Algorithmen sozialer Medien entscheiden zunehmend darüber, welche Perspektiven sichtbar werden. Auch sie sind Teil der Landschaft, die wir gestalten.
Es gibt viel zu tun. Doch die Möglichkeit einer gerechteren Welt war vielleicht noch nie so real – und gleichzeitig so gefährdet wie heute.









































































































































































































