Die aktuelle Kamera

Seit den 1970er Jahren erlebte der Tourismus einen grundlegenden Wandel. Reisen wurde für breite Teile der Gesellschaft möglich und zu einem festen Bestandteil moderner Lebensweisen.

In der DDR wurde der Tourismus von Beginn an systematisch entwickelt. Großbetriebe wurden in die Verantwortung genommen und verpflichtet, preisgünstige Urlaubsangebote für ihre Beschäftigten bereitzustellen. Auf diese Weise entstanden zahlreiche Betriebsferienobjekte, die Erholung als Teil der sozialen Absicherung verstanden. Ähnliche Modelle gab es auch in der Bundesrepublik: Viele große Unternehmen unterhielten eigene Ferienheime für ihre Mitarbeitenden. Parallel dazu erschlossen Staaten wie Spanien und Frankreich ganze Küstenregionen gezielt als Ferienanlagen und schufen damit die infrastrukturelle Grundlage für den Massentourismus.

Mit der schrittweisen Durchsetzung neoliberaler Politik seit den 1970er Jahren wurden diese sozialstaatlichen Errungenschaften zunehmend zurückgebaut. In der Folge wurden die meisten der über 5.000 Ferienobjekte in der DDR nach 1990 mit Hilfe der Treuhand abgerissen, privatisiert oder umgenutzt. Tourismus wandelte sich damit erneut – weg von kollektiv organisierten Erholungsmodellen hin zu einem stärker marktorientierten und kommerzialisierten System.

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Geschichtengalerie – Brandenburger Erwerbsbiografien im Wandel seit 1990

In der Ausstellung „Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale“ ließ die Rosa-Luxemburg-Stiftung Zeitzeug*innen zu Wort kommen, deren Lebensgeschichte durch das Agieren der Treuhandanstalt unmittelbar beeinflusst wurde. Noch immer sind in vielen Regionen Brandenburgs die Folgen des Zusammenbruchs der ostdeutschen Wirtschaft der 1990er Jahre präsent. Ausverkauf und Abwanderung stellten Familien, Freundschaften, Arbeits-Kollektive und soziale Beziehungen insgesamt auf den Kopf. Wie erleben Menschen in Brandenburg den Wandel seit den 90er Jahren? Haben sich inzwischen Perspektiven verändert?

Zur Finissage der eindrucksvollen Ausstellung lädt die Rosa-Luxemburg-Stiftung gemeinsam mit dem Perspektiven e.V. in die ‚Geschichtengalerie‘ ein: ein web-Archiv, entstanden aus einem nicht ganz gewöhnlichen Stand auf den Wochenmärkten brandenburgischer Kleinstädte. Er lud verschiedenste Menschen dazu ein, innezuhalten, Bilder anzuschauen und ins Gespräch zu kommen. Aus den erzählten individuellen Schilderungen und persönlichen Botschaften entstanden Foto- und Hör-Porträts, welche eine Sammlung authentischer Stimmen abbilden.

Die Initiator*innen der Geschichtengalerie, Grit Sujata und Hassan Jörg Richter, erzählen von diesen eindrucksvollen Markt-Tagen und geben Einblicke in die erzählten Geschichten, Biographien und Berufswege ihrer Protagonist*innen, welche bis heute durch gesellschaftliche Transformationsprozesse bestimmt werden.

Mittwoch, 28. Januar 2026, um 18 Uhr
Treffpunkt Freizeit, Am Neuen Garten 64, 14469 Potsdam

Die Ausstellung „Schicksal Treuhand – Treuhand-Schicksale“ kann noch bis einschließlich 28.01.2026 kostenlos im Treffpunkt Freizeit besucht werden.

Die aktuelle Kamera

Kornfraktion, 2023
Kran-Kabine, 2023
Säulenbohrmaschine, 2023
Fließband unendlich, 2023
Pfad unendlich, 2023
Zahn um Zahn, 2023
Auf dem Foto ist, das Ende einer Förderanlage für Kies zu sehen. Im Vordergrund steht ein alter Kompressor. Überall liegt Sand herum.
Das Ende des Förderbandes, 2022
abgeschmiert, 2023
Fettnippel, 2023
gefedert, 2023
Notzugleine, 2023
Notzug alleine, 2024
Wasserdruckprobe, 2023
Haus 1, 2024

Die Anlage wurde in den 1990er Jahren still gelegt. Sie war an einen Steinbruch in Thüringen angeschlossen. Hier sind Natursteine wie Tonschiefer, Grauwacke und Kalkstein für den Straßenbau, die Zement und Ziegelindustrie zur weiter Verarbeitung gefördert worden. In dem angeschlossenen Brechwerk wurden die Steine in verschiedene Korngrößen gebrochen, gesiebt, gewogen und in Wagons der Bahn für den Abtransport verladen.

Der Abbau von Stein findet in diesen Tagebau bis heute statt, allerdings wurde die Förderstrecke zu den Gleisanlagen der Bahn sehr schnell nach der Wende in den 1990er Jahren still gelegt. Seit dem findet der Abtransport ausschließlich über die Straße statt.

Die aktuelle Kamera

Themroc, Rock Them, 2024
Büro Olaf Z. 2024
Büro Bernd H. 2024
Liebes Büro, 2023
Lieber Schreibtisch, 2023
Verwaltung, 2023
Aktengebirge, 2023
Architekten Zeichentisch, 2024
Regalnummer Zwölf, 2024
Armbanduhren Ziffernblätter, 2024

Die Fotos entstanden in einer ehemaligen Produktionshalle des VEB Uhrenwerk Ruhla. Auch die vielen Büros, von Olaf Seins bis zur Verwaltung, konnten den Betrieb nicht mehr retten. Er wurde bestimmt auch durch die Aktengebirge, welche sich Jahrzehnte lang angesammelt hatten erdrückt.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs fertigen rund 10.000 Menschen vor allem Zünder-Uhrwerke für Flakgranaten. Nach der Besetzung Ruhlas am 8. April 1945 durch US-amerikanische Truppen wurde zunächst die Arbeit eingestellt und dann die gesamte Belegschaft entlassen. Am 1. Mai 1952 wurde das Unternehmen auf Beschluss der Regierung der UdSSR verstaatlicht.

In der DDR arbeiteten im Uhrenwerk über 10.000 Beschäftigte. Neben Uhren produzierte das Werk auch hochwertige Werkzeugmaschinen, sowie integrierte Schaltkreise.

Nach der Wende wurde das volkseigene Kombinat von der Treuhandanstalt in mehreren Teilen privatisiert. Aus dem VEB Uhrenwerk Ruhla gingen zunächst 40 neue Unternehmen hervor. Wenn überhaupt, überlebten wenige dieser Unternehmen bis heute.

Die Gebäude des heutigen Uhrenmuseums und der Uhrenmontage wurde 2019 durch das Familienunternehmen PointTec der Familie Birk übernommen.

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